Halleins Verkehrsknoten:
Mit Kreisverkehren nahezu beschwerdefrei

Frage: Sind die Damen und Herren Politiker für diesen wundersamen Einfall zu loben – oder – wegen der üblicherweise viel zu späten Erkenntnis zu tadeln?

von Hans Kügler

Aus Hallo Hallein Regional Magazin - Februar 2008
Kurioser „Magic Roundabout“

In England existieren einige wenige Magic roundabouts (Zauber Kreisverkehre), wo es dem an Rechtsverkehr gewöhnten Continental (Nicht-England-Europäer), schon beim Betrachten des Verkehrsschilds, wie jenes von Swindon im Südwesten Englands, die Haare aufstellt.



Wie funktioniert das? Die Fahrer, die aus den sich treffenden Straßen kommen, fahren also zunächst in einen der fünf kleinen Kreisverkehre ein und fädeln sich dann, so sie nicht sofort wieder links abbiegen müssen, in den großen Kreisverkehr im Inneren ein. Dieser wird an der gewünschten Ausfahrt wieder über den jeweiligen kleinen Kreisverkehr verlassen.



Der Sinn: Dadurch wird die optimale Nutzung des gesamten Straßenraumes durch die Fahrzeuge ermöglicht, weil die Abstände der Fahrzeuge im Verkehrsfluss verkleinert werden und sich negative Auswirkungen von Stauungen (Verzögerungen beim Anfahren, Auffahrunfälle usw.) minimieren.

Genau 99 Jahre nach dem ersten Kreisverkehr, 1901 rund um den Arc de Triomphe in Paris – heute Place de Charles de Gaulle mit sechs Fahrspuren – wurde jene Verkehrsregelung erstmalig im Jahr 2000 in Hallein auf der alten „Hager Kreuzung“, Salzachtal-Bundesstras-se/Eisenbahnbrücke, vollwertig in Betrieb genommen.

Die letzte durch die Salzburger Landesregierung vorgenommene Verkehrsvorschau vom 19. Februar 2003 besagt, dass diesen Knoten binnen 24 Stunden durchschnittlich zwischen 25.400 im Jahr 2000, und für 2015 prognostiziert 28.000 Kraftfahrzeuge, täglich frequentieren werden. Inzwischen kamen noch weitere fünf Kreisverkehrsregelungen im Halleiner Stadtgebiet dazu. Die beiden schon vorher existierenden einspurigen Miniversionen am Molnar- und Gamperplatz sollen dabei nicht vergessen sein.

Erinnert man sich der schier endlos erscheinenden Wartezeiten, vor der ehemaligen Ampel an der Hager-Kreuzung, so gibt es nur einen Kommentar – diese Lösung hätte den verantwortlichen Verkehrsexperten, meist dienstlich international viel gereist, Jahrzehnte früher einfallen können. In Frankreich gibt es heute bundesweit 20.000 Kreisverkehre. Wie viel Tonnen Sprit hätten bis dahin, während der erzwungenen Stops im Standgas nutzlos verblasen, gespart werden können. Die damit verbundene unnötige Luftbelastung wurde zwar auch zu jener Zeit schon registriert, aber bei weitem nicht so ernst genommen, wie heute, nach der plötzlichen Entdeckung der Umwelt. Sollte man unsere Damen und Herren Politiker für diesen wundersamen Einfall loben – oder – wegen der viel zu späten Erkenntnis tadeln?

Der aktuelle Anteil der nahezu staulosen Kreisverkehre an der Absenkung der giftigen NO2 (Stickstoffdioxid) Kraftfahrzeugemission im Vergleich zu vorher ist deswegen nicht näher festzustellen, da während der letzten drei Jahre sowohl der Holzbearbeiter Binder GmbH wie auch M-real Hallein AG ihre Rohmaterialversorgung zu 10 Prozent vom LKW auf die Bahn verlagerten, und das Vordringen des Katalysator-Autos immer mehr Wirkung zeigt.

Grundsätzlich ist zu bemerken, dass für sämtliche Kreisverkehre in Hallein zu wenig Platz zur Verfügung stand, und so die jeweiligen Durchmesser zu klein ausfielen. Der große Wendekreis für die das Halleiner Stadtbild prägenden 5achsigen Gigaliner (Groß-LKW) als Holzschnitzellieferanten der beiden vorgenannten Firmen geht sich nicht aus, um einen reibungslosen Verkehrsablauf zu gewährleisten. Diese benötigen ganze zwei Spuren, sofern sie nicht gleich die erste Ausfahrt nehmen, im für sie zu engen Kreisverkehr. So blockierten anfangs die Zuliefer-LKW für Binder GmbH, nach dem Verlassen jenes auf der Perner Insel, beim Einbiegen in die Heidebrücke den Gegenverkehr, obwohl sie jedes Mal mit den inneren Hinterrädern bereits den „halben Gehsteig mitnahmen“. Inzwischen wird der Randstein auf beiden Seiten der Brücke durch einen Schutzwall verteidigt, der das Überrollen durch LKW-Reifen verhindert.

Wie fahre ich richtig durch den Kreisverkehr?

Am besten, im steten Blickkontakt zu „eventuellen Verkehrsgegnern“, um deren Absicht – wann? wohin? – rechtzeitig zu erkennen. Wer im zweispurigen Kreisverkehr die Außenspur nimmt, und egal an wie viel Ausfahrten vorbei, immer auf dieser verharrt und vor dem Verlassen den rechten Blinker setzt, der macht zwar nichts falsch, derjenige, der den Kreisverkehr bei der nächsten Ausfahrt verlassen will, der bleibt nur auf der äußeren Fahrspur. Reiht man sich in die Innenspur, so ist vor dem Ausfahren der Blinker nach rechts zu geben und darauf zu achten, dass man dabei von niemandem rechts überholt wird. Ansonsten – nur nicht stehen bleiben – sondern eben noch eine Runde anhängen. Keine Hexerei, und trotzdem passieren vermeidbare Unfälle, meist durch Ort-Fremde.




















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Alois Frauenhuber, Herausgeber